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Ich mag nicht mehr.

Ich werde häufig gefragt, woher ich die Inspiration für meine Blogbeiträge nehme, was mich beim Schreiben und Kochen beeinflusst. Die Antwort ist unspektakulärer als vielleicht gedacht, denn es ist das Leben da draußen. Offline. Ja, genau das. Es sind diese alltäglichen Szenen. Szenen, wie sie wohl in jeder anderen Stadt zu finden sind, auf der Straße oder im Supermarkt. Szenen, die mich inspirieren, aber in letzter Zeit so nachdenklich machen, dass ich sie in etlichen Blogposts verarbeiten könnte. Aber die Wahrheit ist: ich mag nicht mehr.

Ich stehe im Gang eines großen Supermarkts und beobachte eine Großmutter dabei, wie sie mit ihrer Hand gezielt ins Regal greift, während sie mit der anderen die des Enkelkindes hält. „Die magst Du doch so!“ Mit Weizenmehl, Glukosesirup, Eipulver und künstlichen Aromen gefüllte Plastikflaschen – Milch dazu, schütteln, in die Pfanne, Fertigeierkuchen.

Noch bevor ich dann meine Gefühle – irgendwo zwischen Mitleid und Fassungslosigkeit – einordnen kann, denke ich plötzlich über zwanzig Jahre zurück an meine Kindheit. Wie mir der himmlische Duft von frisch gebackenen Eierkuchen durch die angelehnte Wohnungstür meiner Großeltern entgegen strömt. Hungrig und vorfreudig treibt er mich in die Küche, wo sich bereits heiße, goldbraune Eierkuchen auf einem Teller auf dem Esstisch stapeln. Daneben eine große Schale mit frisch gekochtem Apfelmus mit Äpfeln aus dem eigenen Garten.
Ich trete näher und schaue in die leere Teigschüssel neben dem Herd.
„Wie machst Du die, Oma?“ will ich wissen.
Sie gibt etwas Mehl, eine Prise Salz und Zimt in die Schüssel, schlägt zwei Eier auf und gießt Milch dazu.

Kein Abwiegen. Alles nach Gefühl.

„Und ein Schluck Mineralwasser – das macht den Teig luftiger.“ Ich darf quirlen und soll aufpassen, dass sich keine Klumpen bilden. Dann gebe ich etwas von dem flüssigen Teig in die heiße Pfanne und beobachte gespannt, wie die kleinen Bläschen im Teig unter der Hitze zerplatzen, wie er langsam Form annimmt und seine Farbe verändert, eh ich ihn wenden darf.

Ich bin fünf Jahre alt und von der soeben erlernten Zubereitung von Eierkuchen total fasziniert.

Ehe ich mir vorstellen kann, wie diese Großmutter dort am Herd plötzlich die Plastikflasche schüttelt, stolpert ein Kind mit einem Glas Nuss-Nougat-Creme in meine Kniekehlen. Ein Glas so groß, dass es kaum in seine kleinen Hände passt. Ich laufe weiter durch den Supermarkt – vorbei an gestressten Müttern, die unter dem Schreien ihrer Kinder den Einkaufswagen mit Cornflakes, Soft-Drinks, Pizzen, Toastbroten und Süßigkeiten füllen. Das Kind bekommt die Obst- und Gemüseabteilung nicht zu sehen. Zumindest heute nicht.

In der Backwarenabteilung fischen Menschen mit Metallzangen nach 25 Cent Brezeln, während sie mit ihren 700 Euro teuren Smartphones telefonieren. Backwaren, die auch nach 5 Tagen noch unverändert aussehen und noch genauso knusprig sind. Warum mehr bezahlen für Produkte aus ehrlicher Handarbeit beim Bäcker gegenüber? Ein Blick auf die Zutatenliste direkt neben der Metallzange der Backstation liefert die Antwort.

Eigentlich.

Schockstarre

Ich wollte einkaufen und gehe mit Schockstarre nach Hause. Seriously?! Greifen wir nur noch aus Gewohnheit, Unwissenheit oder gar Verzweiflung zu diesen vermeintlichen Lebensmitteln, die neben Unmengen an Zucker aus kaum aussprechbaren Zutaten bestehen und mit Substanzen, die unser Körper zum Überleben benötigt, nicht mehr viel gemeinsam haben? Es scheint, als hätten wir vor lauter Bequemlichkeit vergessen, dass all das, was wir zu uns nehmen von unserem Körper verstoffwechselt und somit zu einem Teil von uns wird. Bestehen wir in zehn Jahren nur noch aus Aroma- und Konservierungsstoffen? Einbalsamierung von Innen?

Möglicherweise.

Erst vor wenigen Wochen, stand ich dort im Gang des Supermarkts als mich die Reporterin von MDR Figaro fragte, ob ich Clean Eating für einen Ernährungstrend halte. Ich verneinte.
Clean Eating – das heißt zu unverarbeiteten, naturbelassenen Rohstoffen wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukten (auch Fisch und Fleisch zählt grundsätzlich zum Clean Eating) zu greifen und somit automatisch auf synthetische Aromen, Farb-, Konservierungs- und Süßstoffe zu verzichten.
Nein, das sollte kein Trend sein. Trends kommen und gehen. Zu natürlichen und frischen, echten Lebensmitteln zu greifen, sollte doch Standard sein – von Anfang an, von klein auf.

Was mich beeinflusst, wolltet ihr wissen. Es sind diese Szenen. Ich reagiere darauf mit (stillen) Alternativen in Form von Rezepten, mit selbst gebackenem Brot bis hin zu natürlichen Durstlöschern. Das eigentliche Seufzen hört ihr dabei nicht. Das muss sich ändern, denn ich mag nicht mehr. Ich möchte vielmehr aufklären über das, was bei den meisten auf dem Teller landet. Ich möchte Augen öffnen. Ich möchte Anstöße geben, Wissen mit Euch teilen und austauschen. Es geht nicht mehr nur um Vegetarismus und Veganismus.

Macht Schluss

Ernährung geht uns alle etwas an. Fangt an Euch damit auseinander zu setzen, was ihr zu Euch nehmt. Schaut auf die Rückseite von Verpackungen, achtet auf Inhaltsstoffe und Zusätze. Macht Schluss und trennt Euch von Produkten auf Eurem Teller, die kaum aussprechbare chemische Zusätze beinhalten. Kauft Lebensmittel. Greift zu frischem, saisonalen Obst und Gemüse aus möglichst regionalem Anbau. Das heißt auch: keine Erdbeeren für 99 Cent während ihr mit Schal, Mütze und Snowboots vor dem Obstregal steht und auch keine Äpfel aus Neuseeland, nur weil sie 10 Cent günstiger sind als die bayrischen.

Habt ihr Euch fürs kommende Jahr schon etwas vorgenommen? Nein? Wie wäre es mit clean eating, mit besserer, gesünderer Ernährung? Am besten gleich.

Vielleicht hören wir dann in Supermarktgängen zur Abwechslung auch mal ein „Ich mag deine Fertigeierkuchen nicht mehr, Oma.“

Das wäre schön.

Bildquelle: pexels.com

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37 Kommentare

  • antworten
    Sebastian
    29. November 2015 um 13:16

    Man muss stur an seiner kindlichen Naivität festhalten – um die Realität immer ein bisschen mehr in diese Richtung zu bewegen – und man muss ein Blog wie dieses hier betreiben um andere auch dahin zu stupsen!

  • antworten
    Daniela
    29. November 2015 um 13:41

    Ich kann deinen inneren Aufruhr gut nachempfinden! Mir macht es Angst, wenn ich diese riesigen Einkaufswagen mit Fertigprodukten, Tüten und alle den süßen Lebensmitteln sehe.
    Ich lebe aktuell für vier Monate in Österreich und hier sind die schon ganz anders drauf: Viele Lebensmittel stammen aus dem eigenen Land und da beginnt es dann. Mehr Frischetheken, frische Brötchen, die ein richtiger Bäcker gemacht hat. Das Umdenken hier hat schon begonnen – hoffe ich.

  • antworten
    Marla Stromponsky
    29. November 2015 um 13:50

    Toller Artikel. Du spricht mir damit total aus dem Herzen – ich beobachte solche Szenen auch immer mit unglaubigem Horror.

    Liebe Grüße!

  • antworten
    Fräulein M.
    29. November 2015 um 13:50

    Ganz genau so.
    Danke Aileen.

  • antworten
    Michael
    29. November 2015 um 14:22

    Du sprichst mir aus der Seele.
    Sehr schöner Bericht.

  • antworten
    Nadja
    29. November 2015 um 15:08

    Ich verstehe dich gut! Ich staune jedes Mal, was die Leute vor und hinter mir so auf das Band packen. Ich staune, wenn Eltern versuchen von 4Liter auf 2Liter Cola am Tag! runterzukommen. Wieviel die Kinder trinken, will ich dann manchmal gar nicht wissen. Das tolle ist, da ist für Menschen wie dich noch so viel Raum gutes zu bewirken-das dürfte nie langweilig werden. Weitermachen. Jeder einzelne Mensch, der sich von dir inspirieren lässt, zählt. Und das muss, wie du schreibst, noch nichtmal vegetarisch sein.

  • antworten
    Alix
    29. November 2015 um 15:14

    mir gehts genauso. ich bin immer die, die so lange zum einkaufen braucht, weil sie immer das kleingedruckte lesen muss. und die stolz ist, weil mein sohn mcDonalds und ähnlichen junk konsequent verweigert. weil es ihm nicht schmeckt, weil er frisch gekochtes essen lieber mag. also zumindest in den eigenen 4 wänden erfolgreich.

  • antworten
    Frau Mohr
    29. November 2015 um 15:43

    Ich glaube, man sollte sein Augenmerk gar nicht so sehr auf die legen, die „alles falsch“ machen – letztlich kann man die Welt und das Bewusstsein der Menschen nicht alleine retten, und ganz viele Menschen in der Fertigfutterfraktion wirst du nie erreichen oder zum Umdenken bringen.

    Aber es gibt ja nicht nur „die“, sondern auch ganz, ganz viele tolle Menschen, die sich Gedanken machen, wo ihr Essen herkommt, die Spaß daran haben, sich ihre Mahlzeiten selbst zuzubereiten ohne Fix-Tütchen, die nachhaltig und achtsam denken.

    Und dann gibt es noch die, die zu wenig Zeit haben um sich darüber Gedanken zu machen, dass man eine Tomatensoße genauso schnell frisch zubereiten kann statt ein Tütchen aufzureißen…die aber aufgeschlossen und interessiert sind, dazu zu lernen und sich ganz sicher über deine Rezepte und Anregungen freuen.

    Ich glaube, man sollte sich immer mehr darauf konzentrieren, seine Energie da einzubringen, wo man etwas verändern kann, statt da zu verzweifeln, wo man es wohl nie schaffen wird „wink“-Emoticon

  • antworten
    Sabine
    29. November 2015 um 16:39

    Puh, danke für die Worte! Ich bekomme auch immer die Krise, wenn ich die super gestressten Muttis sehe, wie sie die armen Kinder rumzerren, sie mit Mist vollstopfen und den Einkaufswagen voller Müll haben. Und am besten noch durchgehend das Smartphone in den Griffeln. Baaah!
    Auch ich bin manchmal anfällig für mal eben schnell was Fertiges mittags. Aber spätesten nach dem ersten Bissen bereue ich es… Ich freue mich, dass du das Thema nun in den Vordergrund holst und bin gespannt auf weitere Beiträge 😀
    Liebe Grüße und einen schönen 1. Advent,
    Sabine

  • antworten
    Helena
    29. November 2015 um 17:01

    Frau Mohr, besser kann man es nicht ausdrücken :)!
    Und Aileen, nicht zu schwarz denken, es gibt Massen an Menschen die versuchen es richtig zu machen. Niemand ist perfekt!

    Kleine Ghandi-Anekdote:
    Eines Tages kam eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn zu Gandhi und bat ihn, ihrem Sohn zu sagen, dass er aufhören solle Zucker zu essen.
    „Kommen Sie in drei Wochen wieder zu mir.“
    Die Mutter war überrascht von der Antwort, nichts desto trotz ging sie wieder.
    Drei Wochen später nahm sie mit ihrem Sohn die Reise noch einmal auf sich. Wieder bat sie Gandhi ihrem Sohn zu sagen, er solle aufhören Zucker zu essen.
    Gandhi sah den Jungen an und sagte: „Hör auf Zucker zu essen!“
    Die Mutter war ein wenig verärgert, sah sie doch den Sinn in Gandhi´s vorherigem Verhalten überhaupt nicht. Sie fragte ihn warum er dies nicht bereits drei Wochen früher hätte tun können, so wären der Mutter und dem Sohn die neuerliche Reise erspart geblieben.

    Gandhi schaute zur Mutter:“Meine Dame, vor drei Woche aß ich selber noch Zucker…“

    Ich bin jemand, der sehr viel selbst macht. Meine Kinder lieben Toastbrot, obwohl ich wöchentlich selbst leckerstes Brot backe. Also kauf ich 1x in zwei Monaten Toastbrot oder auch mal Fruchtjoghurt. Meine Kinder freuen sich auf diesen Einkauf. An diesem Tag dürfen sie sich Dinge aussuchen, die ich sonst nie kaufen würde. Und ja, es kostet mich oft sehr viel Überwindung Nougatcreme oder Fruchtjoghurt zu kaufen. Würde mir da jemand in den Einkaufswagen schauen, käme er nie und nimmer auf die Idee, dass unser Haushalt sehr nachhaltig und gesund lebt.
    Momentaufnahmen bestimmen nicht das Leben der Menschen. Würden wir das denken, wären wir sehr selbstgefällig.

    Liebe Grüße,
    Helena

  • antworten
    Nähoma-moni
    29. November 2015 um 17:03

    Ich bin da etwas vorbelaste, da ich ja aus dem Lebensmittel Einzelhandel komme. In den über 40 Jahren die ich mal gearbeitet habe, hat mich immer wieder schockiert wenn ich gesehen habe, was bei vielen auf den Tisch kommt. Was seit den 60 Jahren an Fertigpackungen, ob Saucen, Kuchen, Geschmacksverstärker dazu gekommen ist, ist der reine Wahnsinn. Ich habe bis heute noch nie eine Zuccinipfanne, Eine Fertigpackung Kuchen oder sonst etwas fertiges auch den Tisch gebracht. Ich hatte auch immer viele schnelle Gerichte, die bei mir auf den Tisch kamen, schnippeln muss man ja eh immer, da spart mein keine Zeit. Einen Kuchen hat man so schnell zusammen gerührt, da lohnt es sich für mich auch nicht, außerdem ist mir dass mir Geld das diese Fertigpackungen extra kosten einfach zu hoch im Preis. Da ich eh mehr auf natürliche Lebensmittel stehe, ohne diese vielen Zusätze, die dazu auch nicht gesund sind, habe ich von jeher schon auf die Bestandteile von Nahrungsmitteln geschaut. Liebe Grüße moni

  • antworten
    Krisi von Excusemebut...
    29. November 2015 um 17:19

    Oh ja das kenne ich zu gut, es ist manchmal wirklich traurig. Ich arbeite in einer Schule und es ist erschreckend was die Kinder, schon die ganz jungen, als Pausensnack mitbekommen. Wir müssen regelmässig Elternbriefe rauslassen und sie „erinnern“ was ein gesunder Pausensnack sein könnte…
    Liebe Grüsse,
    Krisi

  • antworten
    Claudia
    29. November 2015 um 17:23

    Applaus!!! Einfach nur Applaus! Du triffst den Nagel auf den Kopf. Man möchte bei solchen Szenen einfach nur schreiend davon rennen. Convenience ist sooo bequem, passend für unser immer schneller werdendes, auf Effizienz getrimmtes Leben. Mich gruselt es so oft, wenn ich in den Einkaufskorb anderer Leute blicke. Ich möchte ihnen gleich tausend natürliche Alternativen und einfache Rezepte nennen, mit denen sie sich viel gesünder ernähren könnten… Es braucht noch sooo viel Aufklärung. Fangen wir doch mal damit an!
    Liebe Grüße
    Claudia.

  • antworten
    Christina
    29. November 2015 um 18:23

    Danke Aileen. Toller Artikel – genau so fühle ich mich im Supermarkt auch immer.

  • antworten
    Kathrin
    29. November 2015 um 18:32

    Bin gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen! Bei diesem Beitrag sprichst du mir total aus der Seele !! Ich ernähre mich schon seit längeren mit meinem Freund gemeinsam clean was das Ganze ein wenig einfacher macht :)! Mittlerweile sind meine Geschmacksknospen so sensible geworden das ich Fertigprodukte einfach nicht mehr runter bekomme! Mach nur so weiter, verbreite dein Wissen, das Bewusstsein der Menschen verändert sich bereits 🙂 lg kathrin
    http://www.awarehuman.wordpress.at

  • antworten
    merlanne
    29. November 2015 um 20:08

    Hallo Aileen,
    durch Zufall bin auf Deinen Artikel gestossen und kann jede Zeile unterschreiben. Seit jeher koche ich für unsere Familie so wie meine Mutter und Großmutter mich gelernt haben. Ich dachte das sei selbstverständlich, bis meine Kinder mich immer wieder darauf aufmerksam machen, dass es zu Hause doch am besten schmeckt und dass die anderen Kinder ganz andere „Sachen“ essen und vieles „Normale“ gar nicht kennen. Nun denn. So essen wir z.B. seit immer saisonal, was z.B. heisst, dass es im Winter keine Erdbeeren gibt und auch fast nie frische Tomaten.
    Liebe Grüsse,
    Claudine

  • antworten
    Lony
    29. November 2015 um 21:19

    Ich muss gerade Schmunzeln. Jeder einzelne, der hier kommentiert hat, ernährt sich und seine Family nach eigener Aussage schon „clean“ oder zumindest sehr gesund. Also hat das Umdenken doch offensichtlich schon längst begonnen und die Menschheit ist garnicht so verloren, wie es scheint. Klasse!

  • antworten
    Judith Naschkatze
    29. November 2015 um 23:19

    Was für ein wunderbarer Artikel! Auch ich bin oft fassungslos, wenn ich sehe, wie sich die Masse der Menschen ernährt. Was du über Omas Rezepte schreibst spricht mir ebenfalls aus dem Herzen. Zurzeit habe ich ein Blogevent laufen: „Der Geschmack von Früher- Seelenfutter aus Omas Rezeptbuch“.
    Ich möchte dich und alle Interessierten herzlich einladen mitzumachen. Das Event soll sich bis ins nächste Jahr ziehen, je mehr Teilnehmer umso länger und auch schöner! 🙂 Schaut mal bei mir vorbei, ich freu mich!♡

  • antworten
    Anna
    29. November 2015 um 23:54

    „Warum mehr bezahlen für Produkte aus ehrlicher Handarbeit beim Bäcker gegenüber?“
    Wahrscheinlich weil der durchschnittliche „Bäcker gegenüber“ viel zu oft auch keine „ehrliche Handarbeit“ mehr verkauft und stattdessen jeden Morgen den angelieferten, industriellen Teig aufbackt. Es wäre schön, wenn man den höheren Preis eines Lebensmittels direkt mit einer höheren Qualität gleichsetzen könnte. Selbstverständlich ist die Wahrscheinlichkeit eine bessere Qualität zu kaufen bei einem teuren Produkt höher als bei einem billigen, aber eine Garantie gibt es dafür auch nicht. Zumindest wenn man sich in einer „normalen“ Preisspanne bewegt, von Produkten, die jedem Durchschnittsverbraucher theoretisch zur Verfügung stehen. Es gibt viele Gründe, aus denen Menschen zu billigen Produkten, Fertiggerichten usw. greifen. Die vollkommen zu Recht aufkommenden Zweifel beim Einkauf („Bezahle ich für eine bessere Qualität oder doch nur für die aufgedruckte Marke?“) sind sicher einer davon. Wenn man – um zu den Backwaren zurück zu kommen – das Gefühl hat, am Ende das gleiche Produkt zu unterschiedlichen Preisen zu kaufen, ist die Entscheidung für das billige Produkt nur nachvollziehbar.
    Das Thema Ernährung ist wirklich sehr umfangreich und es ist fraglich ob es überhaupt „die“ Lösung gibt. Wahrscheinlich nicht. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, maße mir auch nicht an, etwas besser wissen zu wollen, finde cleane Ernährung an sich sehr unterstützenswert und freue mich z.B. selbst jedes mal auf’s Neue über ein Essen bei Oma mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Doch gerade bei sehr umfangreichen, komplexen und auch sozialen Themen wie dem der Ernährung ist es meiner Meinung nach ratsam, eine Situation aus möglichst vielen Blinkwinkeln zu betrachten und von durch starke Vereinfachung radikal und bevormundend wirkenden Äußerungen abzusehen.
    Wer weiß schon, ob die Oma aus dem Artikel ihrem Enkel vorher schon einmal selbst gemachte Eierkuchen gemacht hat, die der Enkel verschmähte, weil es nicht der gewohnte Geschmack der Fertigmischung war? Vielleicht kauft sie die Fertigmischung tatsächlich um dem Enkel eine Freude zu machen, den sie sonst so selten sieht? Vielleicht. Wer weiß das schon.
    Vielleicht ist der beste Weg zur Änderung der Ernährungsgewohnheiten oder zur Inspiration eines Menschen auch ein Blog mit regelmäßigen Artikeln zu neuen, leckeren Rezepten, Tipps und Tricks 🙂

  • antworten
    Denise
    30. November 2015 um 05:56

    Hey ho,
    Vielen Dank für diesen Artikel. ich bin erschrocken und kann dir nur zustimmen. Ja, eine bewusste Ernährung sollte kein Trend sein, sondern Realität. Ich muss auch noch viel lernen und besser mit mir und meiner Ernährung umgehen. Aber dank dir denke ich darüber nach und fasse neuen Mut, Inspiration und Entschlüsse. Vielen Dank
    Denise

  • antworten
    Julia
    30. November 2015 um 09:27

    Stimmt. Im Großen und Ganzen kann ich dir zustimmen. Aber! Meine Oma MUSSTE noch alles selber kochen, weil sie auf dem Dorf lebte und es im Tante Emma Laden diese industriellen Helferlein nicht gab. Außerdem mussten die Erzeugnisse des eigenen Bauernhofes verwertet werden, weil die sonst schlicht und ergreifend verdorben wären. Deshalb gab es auch jeden Tag Eierkuchen und der Cholesterinwert und das Gewicht meiner Oma ist heute so hoch, dass jeder Arzt panisch eine Ernährungsumstellung empfiehlt. Nicht falsch verstehen, ich habe die Besuche bei meiner Oma geliebt. Alles war viel leckerer als zu Hause, denn: Die Generation meiner Mum war dann das krasse Gegenteil. Ich bin komplett mit Maggi und Co aufgewachsen und wusste sehr lange nicht, dass man Bolognese und Co auch ohne Päckchen kochen kann. Ach ja, moppelig war ich deswegen natürlich trotzdem, weshalb ich dann mit 18 ausgerechnet bei den Weight Watchers gelernt hab, was es bedeutet frisch zu kochen. Und jetzt habe ich plötzlich Gefühl, dass gerade wieder ein Umschwung stattfindet. Viele meiner Freundinnen sind Vegetarier, man trifft sich zu gemeinsamen Kochabenden, spricht über saisonales Einkaufen und regionale Zutaten. Das mag auch daran liegen, dass wir es uns leisten können, unser Gemüse auf dem Wochenmarkt zu kaufen statt im Discounter. Ich weiß es nicht. Finde es aber beruhigend, dass meine Kinder und deren Freunde wissen werden, dass man Bolognese auch ohne Fix zubereiten kann und wie gut das schmeckt.
    Liebe Grüße, mach weiter so!
    Julia

  • antworten
    Theresa
    30. November 2015 um 11:52

    Liebe Aileen,
    ich danke dir – für deine klaren Worte, für deinen großartigen und so wichtigen Post! Ich bin zu 100% deiner Meinung! Lass uns das neue Jahr dazu nutzen, uns gegenseitig noch mehr zu einer gesunden, saisonalen und vor allem bewussten Ernährungsweise anzustupsen! Ganz liebe Grüße, Theresa

  • antworten
    Ulrike
    30. November 2015 um 12:10

    Offensichtlich hat mein Blog bei meinen inzwischen erwachsenen Kindern bewirkt, dass sie selber kochen. Was will Frau mehr. Und sollte ich je Großmutter werden, ich kann ohne Tüte kochem 😉

  • antworten
    BillasWelt
    30. November 2015 um 12:19

    Ach, du sprichst mir sowas von aus der Seele. Mich erschreckt schon, wie kritiklos eingekauft wird. Und ich bin es leid, mich immer fast schon rechtfertigen zu müssen, weil ich alles frisch koche und dann höre: die Zeit hätte ich einfach nicht! Deshalb bringe ich auf meinem Blog immer schnelle, einfache Rezepte, um das Gegenteil zu beweisen.
    Es grüsst die Billa

  • antworten
    Tom
    30. November 2015 um 13:40

    Nun ja, ich versuche auch immer recht frisch zu kochen und einzukaufen. Ganz Böse Dinge wie fertigen Pfannenkuchen-Teig, gekochte Kartoffeln oder ähnlichen Mist kommen mit nicht in die Tüte – das ich meine Nutella allerdings selber koche, nie eine TK-Pizza kaufe oder sonst immer alles turbo-Bio ist, nun ja – kann ich auch nicht behaupten. Wer am Tag 12 Stunden außer Haus ist, danach noch den Haushalt schmeißen und Erledigungen tätigen muss, der fällt so mancher schnellen Versuchung zum opfer. Hab zwar noch keine Kinder, würde auch versuchen denen ein gutes Vorbild zu sein, ob ich das so ganz schaffe wie in manch einer romantischen Vorstellung bezweifle ich trotzdem…

    Im Grunde hast du aber Recht.

    Gruß Tom

  • antworten
    Kathleen
    30. November 2015 um 13:42

    Ein toller Beitrag. Und man merkt, dass Viel Herzblut darin steckt. Leider ist es wirklich so, dass Fertigessen immer „normaler“ wird. Da brauch ich nur in der Mittagspause bei meinen Kollegen auf den Teller zu schauen.

    Das schlimme ist nur, dass sich diese Menschen so wenig mit ihrem Essen beschäftigen, dass sie niemals diesen tollen Beitrag lesen werden und anfangen darüber nachzudenken.

    Trotzdem – wirklich toll geschrieben. Und wenn es nur einen zum nachdenken anregt, hat es sich schon gelohnt.

    Liebe Grüße
    Kathleen

  • antworten
    Susann
    30. November 2015 um 13:56

    Ach ja, das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen, wobei ich zugeben muss, dass ich in letzter Zeit selbst etwas schlampiger beim Einkaufen geworden bin, weil ich einfach zu müde bin, Abends noch groß was zu zaubern, wenn ein 10-Stunden-Arbeitstag hinter mir liegt. Und ich erinnere mich noch an mein Entsetzen, als mir meine Oma vor 40 Jahren mitteilte „Oma stampft nicht mehr“. Ein Werbeslogan für Fertigkartoffelbrei. Sie hatte keine Lust mehr, selbst Kartoffelbrei herzustellen und griff auf die Packungsvariante zurück. Als ich am Samstag Hirschgulasch mit selbst geschabten Spätzle zubereitet hatte, war meine Tochter super stolz und freute sich schon aufs Essen, weil Papa das Wild geschossen und Mama es zerlegt und zubereitet hat. Die Eier stammen von den eigenen Hühnern, die Preiselbeeren waren selbst gesammelt, ebenso die Steinpilze in der Soße. Was für meine Tochter eine große Freude war, war für das Besuchskind – ihre beste Freundin – eher ein Alptraum. Sie hätte wohl lieber eine Dose Ravioli gegessen. Ein Lob kam ihr deshalb wohl auch nicht über die Lippen, ich war schon zufrieden, dass sie es gegessen hatte. Es ist doch einfach schade, dass heute beispielsweise kaum noch Apfelmus selbst zubereitet wird, oder eben auch der beschriebene Eierkuchenteig. Meine Tochter hat ein eigenes Kinderkochbuch und freut sich, wenn sie uns Großen etwas daraus machen darf. So lernt sie auch, welche Zutaten in den Gerichten stecken und beim Abschmecken helfe ich ihr natürlich gerne.

  • antworten
    Kati
    30. November 2015 um 15:40

    Du sprichst mir aus der Seele 🙂
    Ich bin auch – gerade über Familien – entsetzt darüber und schaue regelmäßig darauf, was andere Leute so einkaufen. Man sieht echt immer viel Wurst, viel Weißmehlprodukte, viel Zucker, oft Maggi-Fix & Knorr-Fix und Co. Das Leben hat SO viel leckereres zu bieten! Ich würde es nicht verantworten können, meinen Kindern echten Genuss und Geschmack und Gesundheit vorzuenthalten und sie mit einfallslosen billigen ungesunden Sachen vollzustopfen. „Mein Kind isst kein Gemüse“. „Jap, weil du es nicht vorgelebt hast von Anfang an ;)“ …

  • antworten
    Jenni
    1. Dezember 2015 um 08:43

    Ein toller, toller Artikel, der mir mit jedem Wort aus der Seele spricht!

    Ich schaue aus einer ähnlichen Perspektive auf die derzeitige Esskultur und bin ebenso schockiert wie du über das, was der nachfolgenden (und eigentlich auch schon der unseren) Generation an Essgewohnheiten angezogen wird. Betrachten wir wirklich einmal offenen Auges die Chemiekeulen, die die meisten Menschen unreflektiert in sich hineinschaufeln, müssen wir uns eigentlich nicht mehr wundern, dass die Zivilisationskrankheiten und die Zahl der von ihnen Betroffenen stetig wachsen.

    Auch die Rezepte, die ich auf meinem Blog vorstelle, zielen darauf ab, irgendwie wieder „back to the roots“ zu kommen – mit natürlichen Zutaten, wenig bis gar keinem Weißmehl und keinem Industriezucker. Ich bin regelmäßig überrascht bis entsetzt, wenn ich feststellte, wie wenig Menschen eigentlich heute in der Lage sind, ohne Zusatzstoffe, Fertigprodukte etc. zu kochen und zu backen. Dabei war das jahrtausendelang das Normalste von der Welt!

    Ich denke aber, dass Blogs wie der deine diesen Kurs verändern können – mit genau der Einstellung, mit der du dich diesem Thema widmest. 🙂

    P.S.: Verzeihung für den langen Kommentar, aber ich schreibe mich da gerne in Rage… 😉

    Liebe Grüße!
    Jenni

  • antworten
    Ela
    3. Dezember 2015 um 09:17

    Ohh, ich kann dich sehr gut verstehen. Mich macht es auch traurig, wenn Menschen nicht selbst kochen (können/wollen), sondern immer zu Fertigprodukten greifen. Ich versuche auch meist auch Zusatzstoffe zu verzichten, manchmal mehr manchmal weniger. Manches kann ich aus Zeitgründen einfach nicht selbst machen (wie Brot, das schaffe ich neben Vollzeitjob und Blog und Hund einfach nicht), aber bei den Grundnahrungsmitteln versuche ich eigentlich trotzdem immer drauf zu achten, was ich kaufe und wo…
    Liebe Grüße,
    Ela

  • antworten
    Maria Potthoff
    11. Dezember 2015 um 11:26

    Kann dir nur zustimmen, die Einstellung mancher Leute lässt mich nur mit dem Kopf schütteln. Klar, möchte ich niemandem reinreden, aber auch frisch kochen dauert nicht lange! Aber gibt so viele Fertiggerichte ja nicht umsonst, die verkaufen sich ja auch und so lange es sie gibt, wird sich auch nicht so schnell was ändern.. Grüße aus dem Meraner Land 🙂

  • antworten
    Hanna
    8. Februar 2016 um 16:32

    Ich habe mir auch überlegt, ob das mit dem clean eating gerade so ein Trend ist- aber es ist wohl eher nur die Bezeichnung. Seit einiger Zeit brauchen auch wir immer länger beim Einkaufen, weil wir sensibler für die Inhlatsstoffe werden. Erschreckend, was man aus Bequemlichkeit in sich reingestopft hat und noch viel erschreckender, dass in 20 Jahren noch viel weniger Menschen kochen können. Vielen Dank für diesen Artikel.

  • antworten
    Mariella
    15. Juni 2016 um 18:07

    Gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen. Toller Post, bin gleich begeistert und das hab ich so noch nie zu einem Blogger gesagt.

    • antworten
      minzgrün
      15. Juni 2016 um 19:06

      Liebe Mariella, herzlichen Dank für das Kompliment! 🙂

  • antworten
    Katja
    5. Juli 2016 um 22:15

    Bis eben habe ich noch gedacht ich wäre die einzige die darüber nachdenkt das sich meine Zellen auf dem immer und immer wieder neu aufbauen was zu mir nehme und bin geradezu begeistert doch jemanden gefunden zu haben der ebenfalls schockiert über die künstliche Ernährung von geschätzten 90% der Bevölkerung ist.
    Mein Vorhaben 2016 ist mich pescetarisch zu ernähren, clean eating ist bereits seit Jahren meine Ernährung.
    Ich wünschte mir, dass viel mehr Menschen sich darüber bewusst werden wie sie sich über die Jahre selbst vergiften, aber ich bin Arzthelferin und sehe jeden Tag hunderte Menschen die sich tatsächlich mit einem massiv erhöhten BMI über Rücken- oder Gelenkschmerzen wundern, dabei müsste man meinen man würde darauf warten wenn man sich schlechter ernährt, als ich meinen Mülleimer und bin auch durch andere Beobachten grundsätzlich der Meinung das wir einfach nur ein massives Bildungsproblem haben, worauf alles andere folgt.
    Ansonsten hätten wir unser Umweltproblem längst gelöst.

    Danke für die Hoffnung!

  • antworten
    Anja
    28. September 2016 um 13:48

    Du spricht mir aus der Seele. Dabei hat gesunde Ernährung nichts, aber auch gar nichts mit Geld zu tun. Im Bioladen gibt es ebenso Tütensuppen, Schokoladenpudding im Becher und Backmischungen. Ich war entsetzt, als ich letztens erfahren habe, das Bekannt von mir sich ausschließlich aus dem Bioladen von eben diesen Fertigkram ernähren! Ist ja Bio, gell?

    Im Discounter gibt es für kleines Geld frisches Obst und Gemüse, ja, es ist nicht Bio, aber wenn man saisonale Produkte kauft, dann hat man meistens Obst und Gemüse aus Deutschland. Das ist mir lieber, als der Bio-Apfel im Mai aus Südafrika.
    Viele wissen ja gar nicht mehr, wann den überhaupt Apfelzeit ist. Äpfel gibt es das ganze Jahr, entweder importiert oder aus Kühlhäusern. Da müssten die Schulen unseren Kleinen Starthilfe leisten. Meiner Meinung nach gehört das ebenso zur Bildung wie Mathe und Deutsch.

  • antworten
    Hannah
    20. Januar 2017 um 13:25

    Toller Beitrag – du sprichst mir aus der Seele!
    Ich stand selbst letztens noch im Supermarkt und habe überlegt, wie viele Dinge man kaufen kann, die fast NUR Schrott beinhalten – und im Gegensatz dazu, wie viele natürliche Lebensmittel. Es wäre mal interessant zu sehen, wie viel Prozent des Sortiments (fast) unverarbeitete Lebensmittel ausmachen – aber eigentlich weiß man schon, dass es zu Wenige sind.
    Wenn jemand an der Kasse vor mir 15(!) Packungen Maggi-Fix kauft könnte ich einen Schreikrampf kriegen – nicht nur, dass alle 15 Sorten gleich schmecken – sie haben auch alle gleich viele Nährstoffe – nämlich keine! Dafür Transfette, Geschmacksverstärker und Aromen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man mit dieser Ernährung glücklich ist und sich vor allem wohl fühlt.
    Nobody’s perfect – auch ich esse hier und da mal einen Schokoriegel oder sowas. Aber wenn der Großteil meiner Nahrung nur aus Chemie bestehen würde, wäre ich definitiv nicht so fit wie ich es jetzt bin.
    Mach weiter so, deine Rezepte sind toll und auch wenn sie viele wahrscheinlich nie zu sehen bekommen: man kann nicht alle retten, aber vielleicht ein Paar! 😉

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