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Crème fraîche ohne Milch? Über die Produktentwicklung der Creme VEGA und ein Rezept für vegane Pizzaschnecken

Vegane Pizzaschnecken

Kuhmilchprodukte durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen, war vor einigen Jahren noch äußerst schwierig, vorallem wenn man dies von heut auf morgen in die Tat umsetzen wollte. Ich war damals ein einziger Allergieklops und sobald der Frühling richtig aufdrehte, eskalierten auch meine Allergien mit all ihren Symptomen: juckende Augen, laufende Nase, Atemnot und letztlich auch Asthma, das mich sportunfähig machte. Ich quälte mich jahrelang mit den Nebenwirkungen von Allergietabletten durch den Tag und fühlte ich mich mehr tot als lebendig. Das war allerdings nicht immer so und deshalb recherchierte ich zu „allergiefördernden Lebensmitteln“ (Kuhmilch- und Weizenprodukte) und wollte fortan so gut es ging drauf verzichten – was ebenfalls vor fünf Jahren der Startschuss für diesen Blog war. Meine Allergien wurden von Jahr zu Jahr deutlich weniger, heute bin ich beschwerdefrei.

Ich erinnere mich, wie ich mich (überfordert) im Supermarkt nach Alternativen umsah und noch nach Sojamilch suchen musste. Damals gab es gerade einmal zwei verschiedene Anbieter. Die Produkte extrem überschaubar. Zudem schien Sojamilch die einzige Alternative zu sein, die mir allerdings nie schmeckte. Ich konnte mich an den von mir gern mit flüssigem Pappkarton verglichenen Geschmack schwer gewöhnen, trank meinen Kaffee dann doch lieber schwarz als mit diesem flockigen Bohnenwasser, war mit dieser Endlösung aber auch nicht zufrieden. Auch bei einem Löffel Sojajoghurt verzog sich mein Gesicht fast bis zur Unkenntlichkeit – da half auch ein Pfund untergerührtes Obst nicht. Es war frustrierend. Letztenendes griff ich zu selbstgemachter Mandelmilch, die allerdings nicht lange haltbar war.

Heute sieht das alles (zum Glück) ganz anders aus: die Regale wurden um Meter erweitert und sind prall gefüllt mit Pflanzendrinks auf Hafer- (mein Favorit!), Mandel-, Reis-, Cashew-, Kokos- und what-so-ever-Basis. Nur Milch darf sie nicht genannt werden, da hat die EU was dagegen! Auch im Kühlregal stehen neben Soja- nun leckere Lupinen- und Kokosjoghurts. Käse und Wurst auf Pflanzenbasis sind nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich kaum vom Original zu unterscheiden. Und zwischendrin findet man, ganz unscheinbar, sogar die eine oder andere Überraschung, wie die Creme VEGA, eine vegane Alternative zur Crème fraîche und – wow – von den „ganz Großen“ – Dr. Oetker!
Kurz: ich finde es gut, dass es diese Produkte gibt, auch wenn man stundenlange Diskussionen über deren Sinn, Bezeichnung und Aussehen führen kann. Dennoch zögere ich beim Kauf dieser veganen Pendants, da die Liste an Zusatzstoffen oftmals einem halben Roman zu gleichen scheint und ich mit vielen Begriffen nichts anfangen kann. Ich stehe also vor der Wahl: verzichte ich – gesundheitsbedingt – auf Kuhmilchprodukte oder konsumiere ich – so klingt es oftmals jedenfalls – einen halben Chemiebaukasten?

Was steckt drin? Nachgefragt beim Produktentwickler

Ich will es genauer wissen und das Schöne am Bloggen: ich habe mir dazu Marvin Kunze, „Produktentwickler Dessert“ bei Dr. Oetker in Bielefeld geschnappt und genau dazu ausgefragt. Was steckt drin in der Creme VEGA und warum? Wie wird so eine vegane Crème fraîche überhaupt entwickelt? Welche Schwierigkeiten gibt es bei der Herstellung? Lässt sie sich genauso verarbeiten und schmeckt man den Unterschied zum Original?

Hier ist das Interview.

Hallo Marvin!

Die Creme VEGA ist die vegane Alternative zu Crème fraîche, die aus Kuhmilch hergestellt wird. Laut Aufdruck handelt es sich um eine “fermentierte Creme auf Soja- und Pflanzenfettbasis” – was bedeutet fermentierte Creme denn genau?
Marvin: Viele Produkte, die auf Sojabasis hergestellt werden, haben einen eher süßlichen Geschmack. Unsere Creme VEGA sollte jedoch leicht säuerlich sein – wie eine klassische Crème fraîche. Um dies zu erreichen, haben wir mit einer veganen Bakterienkultur gearbeitet. Sie sorgt dafür, dass durch Fermentation – also die Umwandlung von organischen Stoffen in Säure, Gas oder Alkohol – Milchsäure entsteht. Diese gibt unserer Creme VEGA ihren typischen Geschmack.

Creme Vega

Werfen wir einen Blick auf die Zutatenliste: Wasser, Kokosnussöl, Sojaeiweiß, Dextrose, natürliches Aroma, Nährhefepulver, Meersalz, Säureregulatoren, Emulgatoren und die von Dir bereits erwähnte Milchsäurebakterienkultur. Was verbirgt sich hinter dem natürlichen Aroma?
Marvin: Für unsere Creme VEGA verwenden wir natürliche Milch- und Sahne-Aromen, um den typischen Geschmack von einer Crème fraîche zu unterstützen. Sie schmeckt also milchig-sahnig und ist dabei leicht säuerlich. Damit eignet sie sich ideal zum Kochen und Verfeinern von herzhaften Gerichten.

Viele Verbraucher schrecken vor dem Begriff „Emulgatoren“ zurück. Was genau sind Emulgatoren und was bewirken diese in der Creme (was würde passieren, wenn man diese weglässt)?
Marvin: Emulgatoren sind notwendig, um zum Beispiel pflanzliches Fett und Wasser miteinander vermengen zu können. Im Falle der Creme VEGA entsteht so mithilfe von Proteinen aus pflanzlichem Fett eine pflanzliche Sahne. Ohne die Emulgatoren würden sich Wasser und Fett trennen und eine Fett-Schicht an der Oberfläche entstehen.

Was hat es mit dem Nährhefepulver und der Milchsäurebakterienkultur genau auf sich?
Marvin: Bei dem Nährhefepulver handelt es sich um getrocknete Hefe, die für die stichfeste Konsistenz der Creme VEGA benötigt wird. Das Nährhefepulver dient zur Anreicherung mit Mineralstoffen, die die Milchsäurebakterien zur Verstoffwechselung brauchen. Nur so kann die Creme fest werden.

Die Creme Vega ist stichfest. Optisch und geschmacklich kann ich keinen Unterschied zu gewöhnlicher Crème fraîche feststellen, ob sie sich genauso verarbeiten lässt, probiere ich gleich noch aus. Welche Herausforderungen bzw. Schwierigkeiten brachte die Entwicklung und Herstellung des pflanzlichen Pendants denn mit sich?
Marvin:  Bei der Entwicklung der Creme VEGA wurden wir mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Wir haben im Vorfeld einige Anforderungen formuliert, die unbedingt erfüllt werden sollten, jedoch nicht ganz einfach umzusetzen waren. Die erste Hürde bestand bereits in der Auswahl der passenden Rohstoffe. Denn unser Ziel war es, ein gleichwertiges und rein pflanzliches Pendant zu Crème fraîche zu entwickeln. Hierfür mussten zunächst die passenden Zutaten gefunden werden, wie zum Beispiel ein Protein, das geschmacklich überzeugt. Dieser Schritt war bereits sehr anspruchsvoll. An der Konsistenz der Creme VEGA haben wir ebenfalls lange gefeilt. Sie sollte stichfest und damit beim Kochen gut zu verarbeiten sein. Gleichzeitig darf das Produkt keine Flocken bilden – egal, ob man ein kaltes oder warmes Gericht zubereitet. Bei allen Schritten mussten wir darauf achten, dass unsere Creme VEGA am Ende den Anforderungen des Vegetarierbund Deutschland e.V. gerecht wird. Denn dessen V-Siegel wollten wir als klares Erkennungszeichen für ein hochwertiges veganes Produkt unbedingt auf dem grünen Becher abbilden.

Warum ist die Creme auf Sojaeiweißbasis und nicht – wie viele andere vegane Produkte – beispielsweise auf Erbsenproteinbasis?
Marvin:  Wir haben viele verschiedene Proteine überprüft und getestet, unter anderem auch auf Kartoffelbasis, Kokosbasis oder auch Erbsenproteine. Viele Proteinvarianten haben für Creme VEGA allerdings nicht funktioniert oder konnten geschmacklich nicht überzeugen. Das Ergebnis, das wir mit Sojaproteinen erzielt haben, hat uns mit Abstand am besten gefallen und wurde auch in sensorischen Tests mit Verbrauchern am besten bewertet.

Wie sah der Entwicklungsprozess bei der Creme Vega aus? Wie lange benötigte man von der Idee bis sie letztlich im Verkauf war?
Marvin: Die Entwicklungsphase unserer Creme VEGA war sehr intensiv. Wir haben viel ausprobiert und uns Schritt für Schritt an das Thema herangetastet. Der gesamte Prozess von der ersten Idee bis zur Einführung des Produkts in den Handel hat ca. 1 1/2 Jahre gedauert. Bei allen Schwierigkeiten, die mit der Entwicklung verbunden waren, freuen wir uns jetzt umso mehr über das tolle Produkt.

Wo findet man die Creme Vega?
Marvin: Unsere Creme VEGA ist im klassischen Lebensmitteleinzelhandel zu bekommen. Dort wird sie häufig bei den veganen Ersatzprodukten oder bei den regulären Crème fraîche Produkten im Kühlregal platziert.

Auf welche vegane Alternative von Dr. Oetker darf man sich als nächstes freuen?
Marvin: Vegane Ernährung wird auch in Zukunft ein spannendes und relevantes Thema bleiben. Wir prüfen daher regelmäßig, ob weitere vegane Produkte für unser Sortiment in Frage kommen. Davon abgesehen sind viele Artikel von Dr. Oetker aufgrund ihrer Zutaten bereits für eine vegane Ernährung geeignet. Dazu zählen zum Beispiel unser Backpulver Backin, der Original Pudding Vanille Geschmack oder unsere gekühlte Rote Grütze. Zu weiteren veganen Produkten können wir aktuell leider noch nichts verraten.

Creme Vega

Ich teste, schnappe mir einen Becher Creme VEGA und mein liebstes Pizzaschneckenrezept, das eigentlich mit Crème fraîche zubereitet wird. Pizza in Schneckenform ist übrigens auch die perfekte „To-Go“-Alternative und bestens als Mitbringsel für Grillparties geeignet!
Noch ein Grilltipp gefällig? Eine geschälte Ananas in Scheiben schneiden, beide Seiten mit etwas Ahornsirup oder Honig (nicht vegan)  beträufeln und auf den Grill legen. Die Crème fraîche mit etwas Ahornsirup/Honig süßen, einen Spritzer Zitronensaft hinzugeben und mit frisch gehackter Minze zu den gegrillten Ananasscheiben servieren. Knaller! 🙂

Rezept für vegane Pizzaschnecken mit Gemüsefüllung (10 – 12 Stück)

Für den Teig
250g Dinkelmehl
etwa 100ml lauwarmes Wasser
1/2 Hefewürfel
2 EL Olivenöl
1 Prise Salz
1 Prise Zucker

Für die Füllung
eine Handvoll Cocktailtomaten
1 rote Paprika
1 kleine Zucchini
2 Frühlingszwiebeln
150g Creme VEGA (1 Becher)
3 EL Tomatenmark
zum Würzen (nach Belieben): Oregano, Basilikum, Chiliflocken, Salz, Pfeffer

Die Hefe mit einer Prise Zucker in einem Messbecher mit dem lauwarmen Wasser verrühren und auflösen. Mehl in eine Schüssel geben, Öl, eine Prise Salz und Hefewasser hinzugeben und zu einem glatten Teig kneten. Mit einem Tuch bedecken und einem warmen Ort etwa 60 Minuten gehen lassen, bis sich der Teig verdoppelt hat. Dann die Füllung vorbereiten: Gemüse waschen, klein schneiden und beiseite stellen.

Dinkelmehl

Hefeteig

Den Teig nach dem Gehen nochmals durchkneten und auf einer mit Mehl bestreuten, glatten Arbeitsplatte etwa 0,5 cm dick und möglichst viereckig ausrollen. Creme VEGA und Tomatenmark verrühren, mit Oregano, Basilikum, Salz und Pfeffer würzen und den Teig damit bestreichen. Nach Belieben Chiliflocken darüber streuen. Das kleingeschnittene Gemüse auf dem Teig verteilen und diesen vorsichtig zusammen rollen. Ränder gut andrücken. Die Teigrolle abschließend in 10 – 12 gleich dicke Scheiben schneiden und auf einem mit Backpapier ausgelegtem Blech (oder in gefetteten Muffinformen) verteilen. Im vorgeheizten Ofen bei 200°C Ober- und Unterhitze etwa 25min auf mittlerer Schiene backen.

Hefeteig Tomatenmark

Hefeteig Tomatenmark

Hefeteig belegt

Vegane Pizzaschnecken

Vegane Pizzaschnecken

Und wie schmeckt’s? Weder bei der Verarbeitung, optisch noch geschmacklich bemerke ich einen Unterschied zur „normalen“ Crème fraîche. Obwohl sie auf Sojabasis hergestellt ist, schmeckt sie mir sogar. 🙂

Ob Du nun zu herkömmlicher Crème fraîche oder zur veganen Creme VEGA greifst, bleibt selbstverständlich Dir überlassen. Ich greife gern zu pflanzlichen Alternativen, deren Zutaten ich nachvollziehen kann und die ohne Geschmacksverstärker auskommen. Natürlich behältst Du immer die volle Kontrolle über alle Inhaltsstoffe, wenn Du es selbst herstellst – was zwar immer gut gesagt ist, sich allerdings nicht immer so leicht in die Tat umsetzen lässt. Wenn Du also auf der Suche nach einer pflanzlichen Alternative bist, hast Du sie nun gefunden.

Heuschnupfen adé durch den Verzicht von Kuhmilch- und Weizenprodukten: Lisa vom Blog „ich lebe grün“ hat übrigens die gleiche Erfahrung gemacht. ✌

 

Sponsored Post: Dieser Beitrag entstand nach dem Probieren der Creme VEGA von Dr. Oetker, die mich voll und ganz überzeugte und neugierig machte, wie so ein veganes Produkt entsteht. Das von mir geführte Interview mit dem „Produktentwickler Dessert“ entstand in Zusammenarbeit mit Dr. Oetker. Herzlichen Dank an dieser Stelle!

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